»Candida Höfer. Libraries: The Return«, 28.08.–30.10.2020

Candida Höfer
Libraries: The Return
28.08.–30.10.2020

Die Ausstellung von Candida Höfer „Libraries: The Return“ eröffnet – begleitet von einer Publikation – nach dem diesjährigen Lockdown. Das Konzept entstand nach einem Besuch der Künstlerin in Gladbeck im Mai 2019; es umfasst eine Auswahl der Werke aus ihrem Konvolut von Arbeiten über internationale Bibliotheken und greift inhaltlich auch die Geschichte des Gebäudes der Neuen Galerie Gladbeck als ehemalige Stadtbücherei auf.
In den letzten Wochen waren wir umgeben von leeren Plätzen, Straßen, Städten. Verschlossen blieben Orte der Begegnung, der kulturellen Wahrnehmung: Museen, Galerien, Bibliotheken. Das, was die die Spezialistin für menschenleere Räume, Candida Höfer, in ihren Werken jahrzehntelang kreiert hat, wurde zum Alltag, die von ihr fotografierten Orte zu einem gesellschaftlichen Statement, einer Typologie des sozialen Lebens, einem Leitbild der Krise, Höfers Kunstwerke mit divergenten Rezeptionsangeboten zu einer neuen Wirklichkeit.
Candida Höfer, eine Ikone der fotografischen Avantgarde und eine der bedeutendsten Vertreterinnen der Düsseldorfer Fotoschule, beeindruckt in ihren Arbeiten mit unterkühlter Optik, wechselseitiger Symmetrie und klaren Linien. Mit Intensität setzte sie sich mit den Räumlichkeiten der Neuen Galerie Gladbeck auseinander. In einer Synthese aus eigener Sprache und der vorgefundenen Innen- und Außenarchitektur entstanden zwei neue Werke, die durch eine großformatige Wiederholung einen Raum im Raum erschaffen. So definieren das Abbild und das real Existierende den ehemaligen Leseraum neu und schaffen mit der Lichtbrechung eine erstmalige Verbindung, ein sich stets veränderndes Umfeld mit einer atmosphärisch aufgeladenen Verdichtung. Die nüchterne Fotografie und geordnete Architektonik stehen im Vergleich und im Verhältnis zueinander, werden zum bisher fehlenden Gegenüber, zum adäquaten Vis-à-vis.

Der 2009 eröffnete Neubau und die alte Baukunst verschmelzen in der fotografischen Dependance. Im selben Jahr fotografierte die Künstlerin die Villa Hügel, den Sitz der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung, die die Herausgabe des Begleitkatalogs dankenswerterweise ermöglicht hat. Nun gehört die Neue Galerie Gladbeck zu einem weiteren Ort auf Höfers künstlerischer Landkarte.
Einen künftigen pragmatischen Vorteil haben die Arbeiten in dieser reisebeschränken Zeit: in dem Sog des Großformates und der Schärfe der Details, erlauben sie eine Exkursion nach Paris, Rio de Janeiro oder Neapel. Denn die für diese Ausstellung ausgewählten großformatigen Farbtafeln umfassen Aufnahmen von Bibliothèque de la Sorbonne in Paris, Abadía Cisterciense de Santa María la Real in Oseira, Archivo General de Indias in Sevilla, Biblioteca do Palácio e Convento in Mafra, Biblioteca dei Girolamini in Neapel und Real Gabinete Português de Leitura in Rio de Janeiro.

Zur Ausstellung erscheint eine signierte Edition – Neue Galerie Gladbeck I 2019 – in einer Auflage von 30 Exemplaren.

Candida Höfer (geb. 1944 in Eberswalde, lebt und arbeitet in Köln) gehört zu den international anerkanntesten deutschen Künstlerinnen. Höfer studierte an der Düsseldorfer Kunstakademie, zunächst Film bei Ole John und später Fotografie bei Bernd und Hilla Becher. 2002 stellte sie auf der documenta11 in Kassel aus, 2003 vertrat sie Deutschland auf der 50. Biennale in Venedig, neben Martin Kippenberger [posthum]. 2015 erhielt sie den Cologne Fine Arts Preis, 2018 die Ehrung der Sony World Photography Awards, 2020 die Hommage-Auszeichnung der Konrad-Adenauer-Stiftung.